Kursbeschreibung
Viele KI-Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an fehlenden Regeln: unklare Zwecke, unkontrollierte Datenquellen, keine nachvollziehbaren Entscheidungen und keine Verantwortlichkeiten, wenn etwas schiefgeht. In diesem Seminar entwickelst Du als Betriebsrat ein Governance-Verständnis, das rechtlich belastbar und im Betrieb umsetzbar ist. Du lernst den EU AI Act als Arbeitsinstrument zu nutzen: Risikoklassifizierung, Pflichten für Betreiber, Anforderungen an Dokumentation und Aufsicht sowie die Bedeutung von Human Oversight. Dazu kommt die DSGVO-Perspektive mit konkreten Prüffragen zu Rechtsgrundlagen, Transparenz, Betroffenenrechten und DSFA. Ein zentraler Baustein ist die Gestaltung von Mitbestimmung in Form von Prozessen und Betriebsvereinbarungen. Du erarbeitest, welche Informationen Du vor Beschaffung und Pilotierung brauchst, wie Du Freigaben, Rollen und Verantwortlichkeiten definierst und wie Du Kontrolle sicherstellst, ohne den Betrieb mit Bürokratie zu blockieren. Wir behandeln Haftungs- und Verantwortungsfragen entlang der Lieferkette und übersetzen sie in Anforderungen an Anbieter, Cloud-Verträge und interne Zuständigkeiten. Besonders praxisnah wird es über konkrete Szenarien: KI im Recruiting, Tools zur Leistungsbewertung, automatisierte Schichtplanung oder GenAI-Assistenten im Kundenservice. Du lernst, Diskriminierungs- und Profiling-Risiken zu erkennen, rote Linien zu definieren und sinnvolle Schutzmaßnahmen wie Audit- und Reportingpflichten, Logging, Incident-Prozesse und Beschwerdewege zu verankern. Am Ende kannst Du KI-Projekte strukturiert beurteilen, verhandlungsfest argumentieren und Governance so gestalten, dass Nutzen und Schutz zusammenpassen.
Die wichtigsten Themen im Überblick
- Als Betriebsrat KI-Einsatz rechtssicher mitgestalten
- AI Act und DSGVO für KI-Projekte sicher anwenden
- Mitbestimmungsrechte bei KI-Einführung gezielt nutzen
- KI-Betriebsvereinbarungen mit klaren Grenzen verhandeln
- Risiken in Recruiting, Schichtplanung und Produktion prüfen
- Bias, Profiling und Überwachung rechtlich einordnen
- DSFA, Transparenz und Betroffenenrechte praktisch prüfen
- Audits, Reporting und Human Oversight verbindlich regeln
Zielgruppe
- Betriebsräte und Gesamtbetriebsräte
- Mitglieder von Wirtschaftsausschüssen
- Personalräte in vergleichbaren Strukturen
- Schwerbehindertenvertretungen mit KI-Bezug
- Alle, die KI-Einsatz im Betrieb rechtssicher mitgestalten und kontrollieren wollen.
Voraussetzung für die Schulung
- Grundverständnis betrieblicher Prozesse und Mitbestimmung.
- Keine juristischen oder technischen Vorkenntnisse zu KI erforderlich.
Kursinhalte
- Rechtsrahmen für KI im Unternehmen
- EU AI Act: Risikoklassen, Pflichten, Zeitplan
- DSGVO bei KI: Rechtsgrundlagen, Transparenz, Betroffenenrechte
- Abgrenzung: KI-System, GPAI, Automatisierung
- Was Aufsichtsbehörden typischerweise prüfen
- Mitbestimmung und Betriebsvereinbarungen
- Mitbestimmungsrechte bei Einführung und Anwendung
- Regelungsinhalte: Zweck, Grenzen, Rollen, Freigaben
- Informations- und Auskunftsansprüche praktisch nutzen
- Kontrollmechanismen: Audits, Reporting, Eskalation
- Risikobewertung: von HR bis Produktion
- Use-Case-Check: Recruiting, Leistungssteuerung, Schichtplanung
- Bias, Diskriminierung, Erklärbarkeit, Nachvollziehbarkeit
- Überwachung und Profiling: rote Linien definieren
- Lieferanten und Cloud: was im Vertrag stehen muss
- Haftung, Verantwortung, Rollenmodell
- Wer haftet wofür: Unternehmen, Führung, Anbieter
- Dokumentationspflichten und Nachweise
- Human Oversight: wirksam organisieren
- Incident- und Beschwerdeprozesse aufsetzen
- Datenschutz und IT-Sicherheit für KI-Projekte
- DPIA/DSFA: wann erforderlich, wie prüfen
- Datenminimierung, Zweckbindung, Löschkonzepte
- Prompt- und Output-Risiken bei GenAI
- Security-Basics: Zugriff, Logging, Geheimhaltung
- Praxiswerkzeuge für den Betriebsrat
- Fragenkatalog für KI-Einführungen
- Checkliste für Betriebsvereinbarungen
- Verhandlungstaktik: rote Linien und Kompromisse
- Fallarbeit mit typischen KI-Szenarien